Nüßmeyers Faible für die Bühne

Familien-Theater

 

Fest in Familienhand: Hartwig, Meike, Ute und Tobias Nüßmeyer (von links) sind allesamt dabei, wenn für das plattdeutsche Theaterstück „Up denn Dräih kümp dat an“ geprobt wird.
Foto und Text: Detlef Dowidat

Alle zwei Jahre bringt die Theatergruppe des MGV „Heimatklang“ Settel ein Stück auf die Bühne. In diesem Jahr spielt Familie Nüßmeyer dabei eine ganz zentrale Rolle, sie sind gleich mit vier Personen aktiv.

Ja, ja, den richtigen Dreh finden sie immer wieder sehr schnell. Wenn es bei den Proben mal hakt, gehen die Blicke kurz zur Souffleuse. Nüßmeyer Nummer eins, Mutter Ute, braucht nur ein, zwei Wörter vorzulesen, und schon fluppt es bei den Übungsabenden der plattdeutschen Theatergruppe des MGV „Heimatklang“ Settel. Auf der Bühne steht mit Nüßmeyer Nummer zwei, Vater Hartwig, Nüßmeyer Nummer drei, Sohn Tobias, und Nüßmeyer Nummer vier, Tochter Meike, gleich ein ganzer Familienclan im Blickpunkt.

„Vier Mitwirkende aus einer Familie, das hat es in der langjährigen Geschichte unserer Theater-Aufführungen meines Wissens noch nicht gegeben“, sagt Ralf Krumme, Vorsitzender des MGV. In dessen Räumen laufen derzeit die Proben auf Hochtouren für das Stück „Up denn Dräih kümp dat an“, das am Samstag, 3. März, in der Gempt-Halle Premiere feiert. Neben den Nüßmeyers spielen Martina Upmann, Marina Biedenkap, Martin Fiegenbaum, Claus Buddenkuhl, Gerd Haumann und Irmhild Feldkamp die tragenden Rollen. Die Proben, derzeit dreimal wöchentlich, laufen vielversprechend. Man merkt den Akteuren die Spielfreude an.

Und gleich drei Nüßmeyers auf der Bühne, geht das gut? „Das ist bei uns gar keine Frage“, versichert Hartwig Nüßmeyer. Er ist fraglos die tragende Säule in der Setteler Theatertruppe. 1983 spielte der 54-Jährige seine erste kleine Rolle im Einakter „Maundagmuorn“. 1986 folgte das erste große Stück „Dat Doktorbook“. „Da war ich noch das Küken, der jüngste Akteur in der Truppe. Heute bin ich der Älteste“, sinniert Hartwig Nüßmeyer, der seither in keiner Aufführung gefehlt hat. Wenn das aktuelle Stück gelaufen ist, hat er 88 Einsätze in der plattdeutschen Theatergruppe hinter sich.

Er ist nicht nur Darsteller, sondern mittlerweile auch Spielleiter. Er sucht die Stücke aus, die alle zwei Jahre gespielt werden. Dabei haben alle Mitglieder der Gruppe Mitspracherecht. „Was mich freut, dass sich immer mehr junge Leute bereitfinden, mitzumachen. Eine tolle Entwicklung“, strahlt der Theater-Macher.

Das Theaterspielen liegt wohl etwas in der Familie bei den Nüßmeyers. Schon Hartwigs Vater Erwin stand auf den Brettern, die in Settel die Welt bedeuten. 1952 spielte er in dem Stück „De Piärdekur“ mit. Weitere Mitwirkende waren unter anderem Franz und Hilda Haumann (Sohn Gert gehört aktuell zum Stammpersonal und hat schon in über 40 Aufführungen mitgewirkt) und Werner Harte. Lange Jahre haben Erwin und seine Frau Annemarie den Kartenverkauf mitorganisiert.

Die plattdeutsche Sprache wird im Haus Nüßmeyer seit jeher gepflegt. „Früher haben wir nur Plattdeutsch gesprochen. Und auch heute rede ich mit meinen Eltern noch platt“, erzählt Hartwig Nüßmeyer. „Das haben wir natürlich immer mitbekommen. Wir sprechen zwar im täglichen Leben kein Platt, aber wir verstehen es sehr gut”, merken Tobias und Meike an. Und natürlich bekamen die beiden auch immer mit, wenn ihr Papa für die plattdeutschen Stücke übte. „Das hat bei uns schon Interesse geweckt“, meint Tobias. Der 26-Jährige spielte seine erste Rolle 2016 in „Quaterigge in Feldkamps Goarden“. Seine 23-jährige Schwester hatte in dem Stück einen Kurzeinsatz.

Nicht nur die Nüßmeyers versprechen allerbeste plattdeutsche Unterhaltung bei den fünf Aufführungen von „Up denn Dräih kümp dat an“ in der Gempt-Halle. Die letzte Vorstellung am Sonntag, 11. März, ist bereits ausverkauft. Für die Premiere am 3. März sowie am Sonntag, 4. März, und am Freitag und Samstag,9. und 10. März, gibt es noch ausreichend Tickets.